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Wann Standardsoftware reicht – und wann sie Ihr Wachstum bremst

15. April 2025 | 10 min Lesezeit
Standard vs. Individual

Als jemand, der individuelle Software entwickelt, müsste ich Ihnen jetzt erzählen, warum Standardsoftware schlecht ist. Mache ich aber nicht. Denn die ehrliche Antwort lautet: Es kommt darauf an.

Standardsoftware: Was Sie bekommen

Standardsoftware (oder SaaS - Software as a Service) sind fertige Lösungen: Lexware, DATEV, Salesforce, SAP Business One, und hunderte andere. Sie kaufen ein Produkt, das für viele Kunden entwickelt wurde.

Die Vorteile:
  • Sofort einsatzbereit (keine Entwicklungszeit)
  • Bewährt und getestet (andere nutzen es schon)
  • Regelmäßige Updates und Weiterentwicklung
  • Community und Support-Ressourcen
  • Niedrige Einstiegskosten
Die Nachteile:
  • Sie müssen sich an die Software anpassen (nicht umgekehrt)
  • Laufende Lizenzkosten (summieren sich über Jahre)
  • Abhängigkeit vom Anbieter (Preiserhöhungen, Änderungen)
  • Funktionen, die Sie nicht brauchen (aber mitbezahlen)
  • Fehlende Funktionen, die Sie bräuchten

Standardsoftware ist für den Durchschnitt gebaut – nicht für das, was Ihren Betrieb besonders macht.

Individualsoftware: Was Sie bekommen

Individuelle Software wird genau für Ihren Betrieb entwickelt. Sie beschreiben, was Sie brauchen, und bekommen genau das.

Die Vorteile:
  • Passt exakt zu Ihren Prozessen
  • Keine Funktionen, die Sie nicht brauchen
  • Keine laufenden Lizenzkosten
  • Volle Kontrolle über Ihre Daten
  • Erweiterbar nach Ihren Wünschen
Die Nachteile:
  • Höhere Anfangsinvestition
  • Entwicklungszeit (keine sofortige Lösung)
  • Sie sind der einzige Nutzer (kein Community-Wissen)
  • Abhängigkeit vom Entwickler (für Updates und Support)

Individualsoftware zwingt zur Klarheit. Unklare Prozesse lassen sich nicht wegkonfigurieren.

Der Vergleich

Standardsoftware Individualsoftware
Einstiegskosten Niedrig (monatliche Gebühr) Hoch (einmalige Entwicklung)
Laufende Kosten Lizenzgebühren (steigend) Nur Wartung (planbar)
Anpassung Begrenzt Unbegrenzt
Zeit bis Einsatz Sofort bis Wochen Monate
Datenhoheit Beim Anbieter Bei Ihnen
Zukunftssicherheit Abhängig vom Anbieter In Ihrer Hand

Wann Standardsoftware die bessere Wahl ist

Greifen Sie zur Fertiglösung, wenn:

  • Ihre Prozesse Standard sind. Buchhaltung, E-Mail, Textverarbeitung - dafür gibt es hervorragende Standardlösungen.
  • Sie schnell starten müssen. Keine Zeit für Entwicklung? Dann lieber eine 80%-Lösung heute als eine 100%-Lösung in 6 Monaten.
  • Das Budget knapp ist. Wenn die Anfangsinvestition ein Problem ist, kann Standardsoftware der richtige Einstieg sein.
  • Sie unsicher sind, was Sie brauchen. Standardsoftware kann helfen, Ihre Anforderungen zu klären - bevor Sie etwas Individuelles bauen.

Wann Individualsoftware die bessere Wahl ist

Investieren Sie in eine Eigenlösung, wenn:

  • Standardsoftware Sie zu Workarounds zwingt. Wenn Sie Excel-Listen neben der teuren Software führen, stimmt etwas nicht.
  • Ihre Prozesse Ihr Wettbewerbsvorteil sind. Was Sie besonders macht, kann Standardsoftware nicht abbilden.
  • Lizenzkosten aus dem Ruder laufen. Ab einem gewissen Punkt ist Eigenbau günstiger.
  • Datenhoheit wichtig ist. Kundendaten bei US-Anbietern? Für manche Branchen undenkbar.
  • Sie langfristig planen. Die Investition rechnet sich über Jahre, nicht Monate.

Der dritte Weg: Hybrid

Fast nie ist entweder-oder die beste Lösung. Viele unserer Kunden fahren eine Mischstrategie:

  • Buchhaltung: DATEV (Standard) - funktioniert, warum ändern?
  • E-Mail: Microsoft 365 (Standard) - kein Grund für Eigenbau
  • Auftragsmanagement: Individuallösung - weil hier das Besondere passiert
  • Schnittstellen: Individuelle Anbindung zwischen den Systemen

Standardsoftware für das Übliche, Individualsoftware für das Besondere.

Die Schlüsselfrage:
Passt die Software zu Ihren Prozessen - oder müssen Ihre Prozesse zur Software passen?

Wenn Letzteres, und Ihre Prozesse sind der Grund, warum Kunden zu Ihnen kommen: Dann ist Individualsoftware der richtige Weg.

Checkliste für Ihre Entscheidung

Beantworten Sie diese Fragen:

  1. Haben Sie Standardsoftware ausprobiert und festgestellt, dass sie nicht passt?
  2. Führen Sie parallel zu Ihrer Software noch Excel-Listen?
  3. Ärgern Sie sich regelmäßig über Funktionen, die fehlen oder nicht richtig funktionieren?
  4. Sind Ihre Prozesse anders als bei typischen Betrieben Ihrer Branche?
  5. Würden Sie in 5 Jahren noch die gleiche Lizenzgebühr zahlen wollen?

Mehr als 3x Ja? Dann ist es Zeit, über Individualsoftware nachzudenken.

Fazit

Es gibt keine pauschal richtige Antwort. Standardsoftware ist nicht schlecht, Individualsoftware nicht automatisch besser. Es kommt auf Ihre Situation an.

Was wir versprechen können: Wenn wir glauben, dass Standardsoftware für Sie die bessere Lösung wäre, sagen wir das. Wir verdienen nichts daran, Ihnen etwas zu verkaufen, das Sie nicht brauchen.

Was wir auch versprechen: Wenn Individualsoftware der richtige Weg ist, bekommen Sie eine Lösung, die zu Ihnen passt. Nicht umgekehrt.

Software sollte sich an Ihr Geschäft anpassen – nicht Ihr Geschäft an Software.


Über die Autorin

Carola Schulte
Carola Schulte
Hat selbst schon Kunden von Individualsoftware abgeraten, wenn Standardsoftware besser passte. Ehrliche Beratung ist wichtiger als jeder Auftrag.

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