Der große Tag ist vorbei. Die Software läuft, die Mitarbeiter arbeiten damit, alles funktioniert. Projekt abgeschlossen, oder? Nicht ganz. Jetzt beginnt der eigentliche Alltag - und der braucht Planung.
Software ist nie "fertig"
Das klingt bedrohlich, ist aber normal. Auch ein Auto braucht Wartung. Auch ein Haus braucht Pflege. Software ist nicht anders.
Wer Wartung und Weiterentwicklung nicht einplant, zahlt später mit Stillstand, Sicherheitsrisiken oder teuren Ad-hoc-Einsätzen.
Was nach dem Go-Live passiert:
- Kleine Anpassungen werden nötig (das hätten wir gern etwas anders...)
- Fehler tauchen auf (die vorher nicht aufgefallen sind)
- Die Umgebung verändert sich (neue Browser, neue Geräte, neue Gesetze)
- Das Unternehmen entwickelt sich weiter (neue Anforderungen)
Das ist kein Zeichen von schlechter Arbeit. Es ist einfach so, wie Software funktioniert.
Die drei Säulen nach dem Go-Live
1. Technische Wartung
Was im Hintergrund passieren muss, damit alles weiter läuft:
- Sicherheitsupdates: Betriebssystem, Webserver, Datenbank - alles braucht regelmäßige Updates.
- Backups: Tägliche Sicherung Ihrer Daten. Und regelmäßige Tests, ob die Wiederherstellung funktioniert.
- Monitoring: Jemand muss aufpassen, dass der Server läuft und die Anwendung erreichbar ist.
- Performance: Wenn die Datenmenge wächst, muss die Software mitwachsen.
100-300 Euro/Monat für kleine bis mittlere Anwendungen. Darin enthalten: Server, Backups, Updates, Monitoring.
2. Support
Wenn etwas nicht funktioniert oder Sie eine Frage haben, brauchen Sie einen Ansprechpartner.
- Fehlerbehebung: Etwas funktioniert nicht wie erwartet? Wir schauen uns das an.
- Fragen beantworten: Wie ging das nochmal mit der Exportfunktion?
- Schulung nachlegen: Neuer Mitarbeiter? Eine kurze Einweisung.
Support kann auf verschiedene Arten organisiert sein:
- Nach Aufwand: Sie zahlen, wenn Sie etwas brauchen. Flexibel, aber unplanbar.
- Pauschal: Festes Stundenkontingent pro Monat. Planbar, aber verfällt wenn nicht genutzt.
- SLA (Service Level Agreement): Garantierte Reaktionszeiten. Für geschäftskritische Anwendungen.
Für geschäftskritische Software ist Support keine Komfortfrage, sondern Betriebssicherheit.
3. Weiterentwicklung
Ihr Unternehmen steht nicht still. Ihre Software sollte es auch nicht.
- Neue Funktionen: Das Feature, das beim Start noch nicht wichtig war, wird jetzt gebraucht.
- Optimierungen: Nach ein paar Monaten wissen Sie besser, was funktioniert - und was nicht.
- Neue Schnittstellen: Integration mit einem anderen System, das Sie jetzt einsetzen.
- Anpassung an Änderungen: Neues Gesetz, neue Anforderung, neuer Prozess.
Weiterentwicklung ist kein Notfall, sondern normale Evolution. Planen Sie ein Budget dafür ein - nicht viel, aber regelmäßig. Weiterentwicklung ist die Stelle, an der Software vom Werkzeug zum Wettbewerbsvorteil wird.
Die ersten Wochen nach dem Start
Die kritische Phase. Hier tauchen die Probleme auf, die vorher niemand gesehen hat:
- Woche 1-2: Fragen, Fragen, Fragen. Intensiver Support, schnelle Anpassungen.
- Woche 3-4: Es beruhigt sich. Die meisten Fragen sind beantwortet.
- Monat 2-3: Erste Optimierungswünsche. "Könnte man das nicht auch so...?"
- Ab Monat 4: Normalbetrieb. Gelegentlich Fragen, gelegentlich Wünsche.
Worüber Sie vorher reden sollten
Bevor das Projekt startet, klären Sie mit Ihrem Entwickler:
- Was kostet laufende Wartung? Pauschal oder nach Aufwand?
- Wie schnell wird auf Probleme reagiert? Am selben Tag? Innerhalb von 48 Stunden?
- Was passiert, wenn der Entwickler nicht mehr kann/will? Bekommen Sie den Code? Kann jemand anders übernehmen?
- Wie sind Updates organisiert? Wer entscheidet, wer testet, wer installiert?
- Was kostet Weiterentwicklung? Stundensatz, Vorgehensweise, Dokumentation.
Ein realistisches Budget
Für eine typische mittelständische Anwendung (entwickelt für 20.000-50.000 Euro):
- Hosting & technische Wartung: 150-250 Euro/Monat
- Support: 50-150 Euro/Monat (Durchschnitt)
- Weiterentwicklung: 5-10% der Entwicklungskosten pro Jahr
Zusammen also 3.000-6.000 Euro pro Jahr. Das entspricht 10-20% der ursprünglichen Investition. Bei kommerzieller Standardsoftware zahlen Sie oft mehr - nur ohne dass sie zu Ihnen passt.
Was Sie selbst tun können
- Feedback sammeln: Was funktioniert gut? Was nervt? Sammeln Sie Rückmeldungen systematisch.
- Wünsche priorisieren: Nicht alles auf einmal. Was ist wirklich wichtig?
- Regelmäßig sprechen: Ein kurzes Gespräch pro Quartal hält die Entwicklung am Laufen.
- Dokumentieren: Besonderheiten, Konfigurationen, Passwörter - schreiben Sie auf, was wichtig ist.
Fazit
Der Go-Live ist nicht das Ende, sondern der Anfang. Ab jetzt zeigt sich, ob die Software wirklich zu Ihrem Alltag passt - und wo sie noch besser werden kann.
Mit realistischen Erwartungen und einem vernünftigen Budget für Wartung und Weiterentwicklung wird Ihre Software ein Werkzeug, das mit Ihrem Unternehmen wächst. Nicht eines, das in zwei Jahren veraltet ist.
Der Unterschied liegt nicht in der Technik, sondern in Planung, Verantwortung und Partnerschaft.